Ohrpiercing Infos über Stechen, Pflege und ArtenOhrpiercing - viele Möglichkeiten für ein kleines Körperteil

Das Durchstechen der Ohren und damit verbunden das Tragen von Schmuck im Ohr gibt es seit Menschengedenken in allen Kulturen der Welt. Aus prähistorischen und antiken Zeiten ist Ohrschmuck bekannt. Auf Gemälden der Renaissancezeit tragen hohe Damen wertvollen Schmuck im Ohr. Verschiedene Ethnien in Ozeanien, Südostasien, Afrika und Amerika schmückten und schmücken ihre Ohren besonders aufwendig. Ein Ohrpiercing trugen bereits unsere Urgroßmütter und Großmütter, ohne es selbst so zu nennen.

So klein das menschliche Ohr auch ist, bietet es doch vielseitige Möglichkeiten für ein Piercing. Selbst so modern anmutende Piercings wie der sogenannte Flesh Tunnel, bei dem das gestochene Piercing extrem gedehnt wird, gab es schon lange in manchen fremden Kulturen. Bei den Makonde-Frauen in Tansania beispielsweise gehörte das Tragen von Scheiben und Pflöcken in Ohren und Lippen ebenso dazu wie bei den Suyá-Männern in Brasilien. Die Atayal, Ureinwohner Taiwans, tätowierten sich nicht nur das Gesicht, sondern sie trugen auch lange Pflöcke im Ohr.

Noch vor zwanzig oder dreißig Jahren gingen kleine Mädchen zum Stechen von Ohrlöchern zum Juwelier oder Hausarzt. In den 1960er Jahren wurde die sogenannte Ohrlochpistole erfunden, mit der die Löcher "geschossen" wurden. Heute hat man sich von dieser Methode weitgehend distanziert, zumal sie außerhalb des Ohrläppchens angewandt, regelrecht gefährlich ist.

So wird ein Ohrpiercing gestochen

Das Vorgehen des Stechens richtet sich nach der Stelle, wo Du Dein Ohrpiercing haben willst. Für jede Art von Ohrpiercing aber gilt, dass Sauberkeit und Hygiene besonders wichtig sind. Die entsprechende Stelle wird in jedem Fall vorher desinfiziert und der Punkt, wo der Stichkanal gesetzt werden soll, von beiden Seiten angezeichnet. Zum Stechen selbst werden in Piercing-Studios meist Spezialkanülen verwendet. Für geübte und professionelle Piercer ist ein Ohrpiercing aber in der Regel kein Problem.

Ehe Du Dir ein Ohrpiercing stechen lässt, solltest Du Dir vielleicht erst mal einen Überblick verschaffen, welche Möglichkeiten es gibt. Hier also eine kurze Übersicht:

  • -Lobe: so heißt das klassische Piercing durchs Ohrläppchen

  • -Anti-Tragus-Piercing: ist das Ohrpiercing durch den kleinen Knorpelhöcker oberhalb des Ohrläppchens

  • -Tragus Piercing: ist ein Ohrpiercing durch den Knorpelfortsatz am Gehörkanal

  • -Helix Piercing: ist das Ohrpiercing durch den äußeren Knorpelrand des Ohres

  • -Indusrial Piercing: ein längeres Barbell (Schmuckhantel) verbindet zwei Helix-Piercings

  • -Rook: ist ein Ohrpiercing durch den sogenannte Anti-Helix-Knorpel

  • -Daith: ist ein Piercing durch den Knorpel in der Ohrmuschel

  • -Snug: Ohrpiercing durch die Knorpelwölbung im Ohr parallel zur Ohrkante

  • -Conch: Piercing durch die Ohrmuschel

Neben dem Stechen mit einer Nadel gibt es heute auch Ohrlochstechsysteme. In ein solches Instrument wird eine Kartusche eingesetzt, die selbstverständlich steril sein muss. Die Kartusche enthält einen medizinischen Ohrstecker, das Gegenstück den Verschluss. Die stechende Person drückt diese Stecker aus Gold, Titan oder Chirurgenstahl durch das Ohrläppchen. Diese Methode ist besonders schonend und wird meist von Ärzten, in Apotheken, aber auch bei Juwelieren angewendet. Sie eignet sich aber nur für ein Lobe- oder Helix-Piercing. Professionelle Piercer verwenden in der Regel Venenkatheter bzw. Venenverweilkanülen.

Schmerzen und Risiken beim Ohrpiercing

Wenn alle Hygieneregeln eingehalten werden, ist das Risiko beim Ohrpiercing überschaubar. Prinzipiell gilt, je näher am Kopf, um so größer ist das Risiko, Gesichtsmuskeln zu verletzen. Wenn Du Dir also ein Helix-Piercing stechen lassen willst, dann lieber etwas weiter weg vom Kopf. Am unkompliziertesten ist ein Lobe-Piercing. Die Schmerzen sind bei jedem Ohrpiercing gering. Natürlich schwillt die Stelle hinterher an. Auch wird das Ohrpiercing in den Anfängen jucken und es tritt Wundflüssigkeit aus. Das ist jedoch normal.

Wenn das Ohrpiercing geweitet werden soll, ist das ein langwieriger Prozess. Um diesen Prozess abzukürzen, gibt es heute die Methode des Dermal Punch. Dabei wird mit einer Stanze ein Stück Gewebe ausgestanzt. Besonders schmerzhaft ist auch das nicht, aber der Blutverlust ist wesentlich höher.

Wie lange braucht ein Ohrpiercing, bis es abgeheilt ist?

Ein einfaches Ohrpiercing heilt bei günstigem Verlauf in drei bis vier Wochen ab. Auch mit der Methode des Dermal Punch gestochene Flesh Tunnel heilen in der Regel sehr gut ab. Um Infektionen zu vermeiden solltest Du die Piercingstelle nicht unnötig berühren oder Verschmutzungen aussetzen. Die Heilungszeit eines Tragus-Piercings kann wesentlich länger - bis zu drei Monaten - dauern. Auch andere Ohrpiercings in Knorpelgewebe heilen langsamer, weil Knorpel nicht durchblutet ist.

Der Heilungsprozess ist zudem wesentlich abhängig von Deiner Lebensweise. Übermäßiger Alkohol- oder Nikotinkonsum, von anderen Drogen ganz zu schweigen, fördern die Heilung nicht gerade. Trinke deshalb in der Zeit kurz nach dem Ohrpiercing viel Wasser und Tees und ernähre Dich gesund.

Wie pflegst Du Dein Ohrpiercing am besten?

In der Abheilphase musst Du Dein Ohrpiercing regelmäßig reinigen. Am besten verwendest Du ein Antiseptikum (z. B. Octenidin) oder Kochsalzlösung. Hüte Dich vor stark alkoholischen Flüssigkeiten, denn sie können die Wunde reizen und das Gegenteil bewirken. Baden oder Schwimmen ist in dieser Phase ebenfalls tabu.

Arten und Variationen beim Ohrpiercing

Die Variationsmöglichkeiten für ein Ohrpiercing wurden bereits genannt. Lasse Dir immer erst dann ein neues Ohrpiercing stechen, wenn das vorherige restlos abgeheilt ist. Beginne am besten mit einem einfachen Lobe-Piercing ehe Du Dir Stellen mit Knorpelgewebe durchstechen läßt. Wenn Du ein Tunnel Piercing planst, informiere Dich genau über die Möglichkeiten.

Plugs, Tunnel und Expander gibt es in ganz verschiedenen Macharten und Ausführungen. Sie heißen Classic, Straight, Top Hat oder Single- und Double Flared, um nur einige zu nennen. Tunnel Piercings sind tatsächlich hohl und man kann hindurch schauen. Bei Plugs und Fakes hingegen ist die Öffnung ganz oder teilweise ausgefüllt.

Schmuck und Material für Dein Ohrpiercing

Der von Dir gewählte Piercing-Schmuck richtet sich ganz nach der Stelle und Art Deines Ohrpiercings. Die Material- und Formenvielfalt für Ohrschmuck ist riesig. Schaue am besten im Piercing Shop nach und lass Dich inspirieren. Flesh Tunnel und Plugs gibt es aus Stahl, Titan, Acryl, Silikon, Holz, Stein, Horn und Silikon. Das Farbenspektrum ist unbegrenzt, zumindest bei den Kunststoffen.

Der Piercing-Schmuck für "normale" Ohrpiercings ist ebenfalls ungeheuer vielfältig. Es gibt Barbells, Labret-Stecker, Ringe in verschiedenen Größen, Hufeisen, Spiralen u.v.m. Auch die Materialien sind höchst unterschiedlich. Edelmetalle, Stahl, Titan und Kristalle sind ebenso zu Ohrschmuck verarbeitet wie Acryl oder Bioplast. Erlaubt ist hier, was Dir gefällt.

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